Am 7. April 2026organisierte La DenkFabrik einen Online-Austausch über die Rolle des Deutsch-Französischen “Paares” in Bezug zur Europäischen Souveränität, mit Rafael Loss, Policy Fellow am European Council on Foreign Relations (ECFR) und Florent Marciacq, stellvertretender Generalsekretär am Österreichisch-Französischen Zentrum für Annäherung in Europa (ÖFZ).
Nach einer kurzen Einführung durch die Moderatoren der Konferenz, Leandra Vièl und Noël Krämer, hoben die Redner hervor, dass Deutschland historisch sehr eng mit den USA verbunden war, der Ukraine-Krieg und die Rückkehr von Donald Trump jedoch eine strategische Annäherung an Frankreich erzwingen. Trotz einer gemeinsamen Analyse der Bedrohungen durch Russland und China bleiben grundlegende Unterschiede bestehen: Während Paris die europäische strategische Autonomie als Ergänzung zur NATO sieht, betrachtet Berlin seine militärische Sicherheit weiterhin sehr stark im Rahmen des US-Bündnisses integriert, was eine vollständige Konvergenz bremst.
In Bezug auf die Souveränität vertritt Frankreich eine breite Vision, die auch Industrie, Raumfahrt und Spitzentechnologien umfasst. Französischer Präsident Emmanuel Macrons Vorschlag, der nuklearen Abschreckung eine europäische Dimension zu geben, findet mittlerweile mehr Gehör. Der NATO-Beitritt von Schweden und Finnland in 2022 sowie eine sich wandelnde Stimmung in der deutschen Gesellschaft haben einen neuen Dialog ermöglicht. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Gespräche in einen gemeinsamen europäischen Weg zu überführen, ohne den US-Schutzschirm ersetzen zu wollen.
Dennoch stößt diese Dynamik auf tiefe strukturelle und kulturelle Hürden. Trotz ähnlicher Interessen kommen große Rüstungsprojekte wie das Future Combat Air System (FCAS) aufgrund unterschiedlicher strategischer Kulturen nur mühsam voran. Das teils unvorhersehbare Verhalten Washingtons stellt die Europäer vor eine Herausforderung, denn sie müssen die fundamentale transatlantische Partnerschaft pflegen und gleichzeitig ihre Abhängigkeit verringern. In diesem Zusammenhang spielt Frankreich eine Schlüsselrolle, da es im Atombereich unabhängiger von den USA agiert als etwa Großbritannien.
Schließlich könnte der Plan von Bundeskanzler Friedrich Merz, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas zu machen, das Gleichgewicht zwischen Paris und Berlin verschieben. Der Wandel von einem wirtschaftlich dominierenden zu einem militärisch starken Deutschland wirft Fragen auf, besonders angesichts des Aufstiegs der AfD. Während Paris die deutsche Aufrüstung grundsätzlich nicht ablehnt, bleibt die Sorge groß, dass Berlin weiterhin US-amerikanische Rüstungsgüter bevorzugt. Dies könnte die langfristige Autonomie der europäischen Verteidigungsindustrie gefährden.

